Rate this post

»Das weiß man doch!« Das antworten meine Kunden gern, wenn ich sie frage, wie sie auf eine unbelegte Behauptung in ihrem Text kommen. Bedenken Sie: Für jede Art von Behauptung müssen Sie in Ihrem Text eine fundierte Quelle angeben. Keine Behauptung, kein Umstand ist banal genug, als dass Sie ihn einfach voraussetzen dürfen.

Lassen Sie uns das Thema einmal an einem Beispiel beleuchten: »Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin.« Darüber gibt es nichts zu diskutieren, und einen Beleg dafür anzuführen, wäre tatsächlich irgendwie komisch. Aber trotzdem findet sich hier eine unbelegte Tatsache. Wenn man die Fußnoten ernst nimmt, kann man hier folgende Erklärung formulieren:

__________________

1) Erst seit dem Jahre 1990 ist Berlin Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, vorher war die Stadt Bonn seit der Gründung des Staates im Jahre 1949 Hauptstadt. Im Rahmen des Einigungsvertrags wurde dieser Beschluss gefasst. Mit dem sogenannten Hauptstadtbeschluss vom 20. Juni 1991 fiel die Entscheidung, auch den Regierungssitz nach Berlin zu verlegen (vgl. Salz, Andreas (2006): Bonn – Berlin: Die Debatte um Parlaments- und Regierungssitz im Deutschen Bundestag und die Folgen, s. 11 ff.).

Sehen Sie? Mit ein bisschen Fantasie wurde das Problem gelöst, eine intelligente Fußnote mit Zusatzinformationen reingebastelt und eine valide Quelle gefunden. Die gesamte Bibliografie habe ich hier nur aus Anschaulichkeitsgründen eingefügt, in einem echten Text würde hier natürlich die Kurzzitierweise stehen, und die vollständigen Angaben wären im Literaturverzeichnis zu finden.

Nun verstehen Sie auch, warum ich so ein ausgesprochener Freund von Fußnoten bin: Damit hat man einfach ein bisschen mehr Luft, ein bisschen mehr Handlungsspielraum. Bei der amerikanischen Zi- tierweise würde man so eher nicht arbeiten. Und das ist auch der Grund dafür, warum Fußnoten so überaus populär und deswegen auch so wichtig sind. Es gibt tatsächlich Fächer, in denen Hausarbeiten und Abschlussarbeiten erst gar nicht angenommen werden, wenn nicht auf jeder Seite mindestens drei bis fünf Fußnoten zu finden sind. Und auch wenn diese Regel so deutlich ausformuliert nur selten auftritt: Sie existiert im Kopf eines jeden guten Wissenschaftlers.

Ergo: Sie können gar nicht zu viel belegen, je mehr sich am Ende »unter dem Strich« abspielt, umso besser für Ihre Arbeit. Sie sollten also nichts einfach mal so hinschreiben, sondern alles mit entsprechenden Quellen belegen. Ausgenommen hiervon sind Teile der Einleitung und des Fazits, aber sonst gewinnt tatsächlich der Text analog zur Anzahl der aufgeführten Fußnoten an Qualität. Das ist kein Spruch, sondern simple Mathematik.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Webseite benutzt Cookies. Wenn Sie die Webseite weiter nutzen, erklären Sie sich damit, sowie mit den weiteren Datenschutzbestimmungen einverstanden Mehr zum Datenschutz

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen