Achtung, Tabuwörter: paranoid und schizophren

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Schizophren und paranoid: bitte nicht benutzen!

 

Manchmal verwenden Menschen diese beiden medizinischen Fachbegriffe fälschlicherweise nicht nur umgangssprachlich (voll schizophren, der Typ!!!), sondern – ja, allen Ernstes – auch im wissenschaftlichen Kontext. Soeben musste ich das schon wieder lesen. Da wird dann schon mal von einer paranoiden Entscheidung gesprochen oder einer schizophrenen Situation. (Fußnote: also, wenn ich ehrlich bin, eher in Bachelor-Arbeiten als in Dissertationen, und eher in schlechten als in guten).

Also nur noch mal kurz die Details. Die Paranoia ist in der Regel eine Verknüpfung von Wahnvorstellungen mit einer überhöhten Selbstwahrnehmung. Oder stark verkürzt: eine Kombination aus Verfolgungs- und Größenwahn. Klingt ja irgendwie sogar schon fast logisch. So etwas soll vorkommen, so jemanden hat wohl jeder im sozialen Umfeld – jemanden, der sich selbst so toll findet, dass er oder sie glaubt, nur von Neidern umgeben zu sein, die ihm oder ihr das Wasser abgraben wollen. Die Schizophrenie hingegen ist schon ein bisschen mehr; da sollte man wirklich jemanden fragen, der sich damit auskennt. Abgrenzung zur Paranoia: Man hat beispielsweise ernsthafte optische Wahnvorstellungen wie Halluzinationen; man erkennt Zeichen oder hört Stimmen, wo keine sind.

Deswegen bitte Vorsicht bei der Verwendung in ernsthaften Texten. Weder Situationen noch Entscheidungen können schizophren oder paranoid sein, sondern nur Menschen. Und in wissenschaftlichen Arbeiten, die sich nicht ausdrücklich damit beschäftigen, haben diese beiden Begriffe natürlich nicht das Geringste verloren.

 

 

So gehts besser:

Situationen wie auch Entscheidungen können paradox, absurd, abstrus, illusorisch sein. Ach komm, was solls, den machen wir noch; hier kurz die Abgrenzungen:

  • paradox: ein meist unauflösbarer Widerspruch bspw. zweier Ansichten, Handlungen
  • absurd: bspw., wenn man etwas Widersinniges tut. Es ist einfach nur dösig; es fehlt das zweite Element.
  • abstrus: töricht, schwer verständlich, verworren, ohne gedankliche Ordnung
  • illusorisch: wenn man hofft, etwas sei bspw. richtig oder könne funktionieren, dies aber niemals zutreffen wird.

Einen einzigen noch? Danke.

In der Rhetorik kennt man als Sonderform der Paradoxie das Oxymoron, also das bewusste Spiel mit Gegensatzpaaren, die sinnwidrig zusammen verwendet werden. Geht im wörtlichen Sinne eigentlich nicht, aber im übertragenen sehr wohl. Und genau das ist dann auch der Witz an der Sache. Beispiele: alter Knabe, beredtes Schweigen, Weniger ist Mehr.

Das Gegenteil des Oxymorons ist übrigens der Pleonasmus: rabenschwarz bzw. pechrabenschwarz, runde Kugel, weibliche Bundeskanzlerin, alter Greis, zwei Zwillinge. Das hingegen gilt unter meiner Knute allerdings nicht als rhetorisches Stilmittel, sondern schlicht als Fehler.

Puuuhhh. Da hat sich aber einer ausgebreitet! Danke für die Geduld.

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